Lebensgefühl

Kulminieren, umdenken, lebensfreude, Menstruation, Integration, Natürlichkeit, erleben

Vulvinawert-vollMenarche – der Mondringein SprungLoblied

Vulvina

Ich habe eine Vulvina. Du auch?

Ella Berlin stellt uns in ihrem wunderbaren Film „Vulvina“ ein neues Wort für das weibliche Genital vor, das mit Scheide, Scham, Vagina oder Vulva für mich und viele andere Frauen bisher nur unzureichend bezeichnet war. Ellas Film bringt die Gründe dafür treffend auf den Punkt.

Ich persönlich empfinde „Scheide“ immer schon als einen grauenvollen Namen für diesen Körperteil – und „Scham“ als naheliegenderweise unangemessen. „Vagina“ mag ich vom Klang gerne, doch das ist anatomisch nicht korrekt. Ich habe es trotzdem benutzt, weil mir schien, dass Frauen sich damit noch am ehesten verbinden können. Bei Kulmine hatten wir überlegt, das Wort „Vulva“ zu  benutzen, doch dieses scheint mir zu hart und ist ebenfalls anatomisch nicht richtig. „Vulvina“ dagegen drückt gleichzeitig Kraft und Sanftheit aus, hat also alles, was Vagina und Vulva für mich repräsentieren und ist gleichzeitig anatomisch korrekt.

Ich sage ab heute Vulvina. Du auch?
Wir freuen uns wie immer auf Deine Rückmeldungen.

– Petra Sood

Ich bin Ella Berlin und ich möchte, dass Frauen und Mädchen gesund und glücklich im eigenen Körper leben.

Das sind Lina und Sarah, die beiden wundern sich. Warum fühlen sich so viele Mädchen nicht schön oder richtig im eigenen Körper? Warum sind so viel Mädchen unsicher? Und hat das was mit dem doofen Wort Scheide zu tun, dass Sara im Sexualkundeunterricht benutzen muss? Scheide ist die Hülle vom Schwert, weiß Lina, denn sie kennt Scheide und Schwert vom Rittermarkt. Was soll das mit unserem Körper zu tun haben, fragen sie jetzt Saras Mutter Karima. Karima erklärt: Das Wort Scheide, auf lateinisch Vagina, ist aus gerechter aber auch anatomischer Sicht falsch. Ich benutze das Wort Vulvina, weil ich das richtig finde und ich erkläre euch jetzt warum.

Karima zeigt ein Bild von den weiblichen Genitalien. Ganz innen ist der Eingang der Gebärmutter, der Muttermund. Dahinter sind Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke. Der Schlauch, der Vulva und Muttermund verbindet, wird Vagina oder Scheide genannt. Ich kenne aber gar keine Frau, die sagen kann, wo die äußere aufhört und die innere anfängt, deshalb nenne ich sie auch Vulvina. Das sind die äußere und die innere zusammen. Die äußere heißt offiziell Vulva, erklärt Karima. Zur Vulva gehören die äußeren Lippen und die inneren Lippen. Der Eingang der Harnröhre und der Eingang der Vulvina mit ihrem Kranz und den vielen Schwellkörpern drumherum und die Spitze der Klitoris mit ihrer Kapuze. Die Klitoris geht im Inneren des Körpers noch sehr viel weiter und sie ist dafür da, dass Mädchen und Frauen gute Gefühle bekommen. Die Klitoris ist voller Nerven und wenn wir sie im richtigen Rythmus berühren, tanzt die ganze Vulvina.

Und wieso sagen dann alle trotzdem Vagina oder Scheide? „Das ist ein sehr altes Wort“, sagt Karima. Früher vor mehr als 400 Jahren hat ein Mann, Matheo Ronaldo Colombo, ein Anatomiebuch geschrieben. Er hat nur überlegt, was für ihn als Mann wichtig ist am weiblichen Genital und hat gesagt: „Da muss mein Schwert rein. Also heißt das Scheide – hahaha.“ Lina findet das ekelig. „Und was ist mit anfassen und was ist mit kleinen Mädchen? Was ist mit Frauen, die keine Männer mögen?“ „Der Matheo ist ja jetzt schon lange tot und wir Frauen können selbst bestimmen, wie unsere Vulvina heißt. Wie findet ihr Vulvina?“ „Gut“, sagt Lina. „Gut“, sagt Sara. „Aber ich glaube, meine Lehrerin mag es nicht. Sie will, dass ich Scheide sage.“

Stell dir mal vor, dass Ohr von Frauen hieße Ohr und das Ohr von Jungen hieße „Ablageplatz für die Bedürfnisse und Gedanken der Ehefrauen“ und zwar bei allen Männern und Jungen. Ablageplatz für die Bedürfnisse und Gedanken der Ehefrauen, so hieße das Ohr. Und bei allen Jungen. Bei Jungen, die viel zu klein sind um an Heiraten zu denken, bei Jungen, die keine Ehefrau möchten und auch bei Jungen, die lieber mal Musik hören möchten. Was denkt ihr? Was würde passieren mit dem Gefühl für den eigenen Körper der Jungen? Sowie Scheide bei Mädchen, Schwerttasche für den Ehemann? Genau und wenn das 400 Jahre so hieße, gäbe es sicher einige, die sagen, so ist das richtig, mir geht es gut damit. Aber ich finde, das Ohr von Jungen soll weiter Ohr heißen und die Vulvina ist dafür da, dass die Mädchen und Frauen sie liebhaben und sich darüber freuen und dass Wort sollten Mädchen und Frauen bestimmen. Schreib ruhig Vulvina in dem Test und wenn sie denkt, es ist falsch… egal, du weißt ja am besten was richtig ist.

Karima, Lina und Sara finden, dass Vulvina das richtige Wort ist. Und du?

Abspann: Für die Frauen und Mädchen, die weltweit geschändet und geächtet werden, weil sie weiblich sind. Mein Dank gilt den Menschen, die dafür einstehen, dass wir alle gleich wertvoll sind.

Vulvina ein Film von Ella Berlin, veröffentlicht am 12.11.2014

 

wert-voll

Wert-voller Stoff
Ausgelegt,
glatt gestrichen,
aufgezeichnet und
ausgeschnitten
von liebevollen Händen
genäht und verpackt
in knisterndes Seidenpapier
kulminiert
in der Benutzung jeder einzelnen Frau,
die Kulmine Binde.

Nina

 

Menarche – der Mondring

Viele Religionen und Kulturen kennen Patenschaften für Kinder bekannter oder verwandter Eltern. In den christlichen Kirchen haben sich die Funktionen von Patin und/ oder Pate zur Taufe und zur Firmung etabliert: Sie sollen die Aufnahme des Menschen in die christliche Gemeinschaft bezeugen und – so jedenfalls die Tradition – die religiöse Erziehung des Kindes fördern und begleiten.
Ähnliches gibt es in vielen anderen Kulturen für den Zeitraum, wenn der Junge oder das Mädchen sich der körperlichen Reife nähern. Im 3.Kapitel habe ich ausführlich geschildert, welche Aufgabe solche Patinnen oder Lehrerinnen haben. Sie weisen das Mädchen bei der Menarche in die Geheimnisse der weiblichen Welt ein, bereiten es auf die Initiations-Zeremonien vor und lehren ihm die biologischen, sozialen und spirituellen Aspekte des Frauseins in der jeweiligen Gesellschaft.

In unserer Kultur ist diese spezielle Funktion noch unbesetzt, der Platz der Mondpatin für heranwachsende Mädchen noch leer. Das ist schade, denn eine solche Patin könnte auch bei uns sehr wichtige soziale Aufgaben übernehmen:

  • 1 als unabhängige Beraterin und Begleiterin, die nicht mit dem Mädchen im „Mutter-Clinch“ liegt und deshalb eine unbefangenere Kommunikation anbieten kann
  • 2 als Vertrauensfrau, an die sich die Heranwachsende wenden kann, wenn sie eine ausserfamiliäre Ansprechpartnerin für ihre Probleme und Gefühle braucht
  • 3 als weise Frau, die das Mädchen in die Geheimnisse der weiblichen Lebensrhythmen, des weiblichen Selbstbewusstseins, weiblicher Fähigkeiten und Besonderheiten einweiht
  • 4 als Informantin der Jugendlichen, die ihr hilft, Fragen zu Biologie, Anatomie, Sexualität und Menstruationshygiene sachlich und ohne familiäre Hemmschwelle zu klären
  • 5 Als weibliches Rollenvorbild, das die Jugendliche leichter als das mütterliche akzeptiert und das ihr helfen kann, ein positives Selbstwertgefühl zu entwickeln
  • 6 Als Vermittlerin zwischen den Erziehungsberechtigten und dem Mädchen, wenn es Probleme zu lösen gibt
  • 7 Als Patin beim Mondfest zur Menarche

Eine solche Frau im eigenen Umfeld zu finden ist meistens gar nicht so schwer. Es kann die Schwester der Mutter oder des Vaters sein, zu der das Mädchen immer schon eine besonders enge Beziehung hatte, die Tauf- oder Firmpatin, eine gute Freundin der Familie, die Lebensgefährtin oder Wohngenossin der Mutter oder die Mutter einer Schulkameradin, mit der die Heranwachsende sich gut versteht. Es kann auch eine Lehrerin sein, die das Mädchen besonders mag, eine Kollegin auf deren Besuch es sich immer freut, eine Ärztin zu der es großes Vertrauen hat, eine Musik, Tanz- oder Sportpädagogin, deren Unterricht es besonders gern besucht, und so weiter.“ Text aus „Der Mondring“ Autorin: Margaret Minker dtv-Ratgeber Seite 195-197

Viele Mütter teilen mir in Seminaren und Beratungen mit, dass sie ihren Töchtern eine andere Heranführung an das Frausein wünschen, als sie sie erfahren haben. Eine Heranführung jenseits des Aufklärungsunterrichts in der Schule und durch Medien. Sie sehnen sich nach Wegen, ihre Weiblichkeit im Rahmen des Menschseins zu erkennen und zu leben. Wenn sie beginnen, die Kraft der Lebenszyklen zu begreifen, möchten sie dieses ihren Kindern auch weitergeben.

Hierzu hat Margaret Minker das herausragendes Buch „Der Mondring“ geschrieben. Es ist zur Zeit vergriffen, jedoch in Leihbibliotheken und Antiquariaten immer wieder zu finden.
Was mir besonders gefällt, ist ihre Empfehlung, wie in manchen Naturvölkern selbstverständlich, die Menarche, die erste Menstruation und damit den Eintritt in die Welt der Weiblichkeit, zu feiern.

Ich kenne Mädchen, die sich eine Party gewünscht und zum Teil sogar selbst ausgerichtet haben. Es gab rote Tücher, rote Blumen und Kerzen; Freundinnen wurden mit rotem Saft empfangen, Märchen mit weiblichen Heldinnen wurden vorgelesen.
Den meisten Mädchen unserer Kultur wäre eine Party zur Menarche jedoch nur ein Graus. „Peinlich.“ Jedoch für jedes Mädchen lässt sich eine Art der Wertschätzung des besonderen Tages finden. Das kann und muss oft, weil die Mädchen es so wünschen, in einem sehr intimen Rahmen sein. Es kann ein Fingerring sein, den das Mädchen speziell zur Menarche, geschenkt bekommt. „Mondring“ heißt dieser bei Margaret Minker, weil sie eben unter anderem empfiehlt, dem Mädchen als Symbol für das weibliche, zyklische Leben einen Mondring zu schenken. Niemand außer dem Mädchen und der oder des Schenkenden muss von der Bedeutung des Ringes erfahren, wenn das Mädchen es nicht möchte. Wichtig ist die erfahrene Anteilnahme, das sich wahrgenommen und erkannt fühlen von den Menschen, die dem Mädchen am nächsten stehen.
Vater oder Mutter können der Tochter auch einfach eine Blume schenken, mit ihr einen besonderen Café Besuch machen, zusammen ein besonderes Menü kochen. Minker hat noch viele Ideen niedergeschrieben.

In einem Seminar über weibliche Zyklen sprach ich mit den Teilnehmerinnen über Mondpatinnen und die Zeit, in der pubertierende Mädchen gerade ihren Müttern nicht mehr alles anvertrauen oder sogar mit ihnen im Clinch liegen.
Eine Frau, die mit ihrer ebenfalls erwachsenen Schwester unter einem Dach wohnt – eine Familie oben, die andere unten – berichtete: „Wir haben beide pubertierende Töchter im gleichen Alter. Vor einiger Zeit kam meine Nichte wutentbrannt zu mir in die Küche herunter gelaufen: ,Mama ist unmöglich, mit der kann man nicht reden. Kann ich bei Dir einziehen? Mit dir kann ich immer so toll reden.‘ Noch in der gleichen Woche geschah fast das gleiche, nur dieses Mal lief meine Tochter nach oben zu meiner Schwester: ,mit der kann man nicht reden aber mit dir‘.“

Ein gutes Beispiel für die Wichtigkeit von Mondpatinnen.
Mögen Sie uns Ihre Erfahrungen mitteilen?

Petra Sood

 

 

Ein Sprung, Eisprung, Blutung, Höhepunkt

 

Loblied auf die Kulmine

Kulmine, lateinisch von culmen, culminis,
weil sie der Wohltat Gipfel ist.
Von Tampax, Carefree, O.B. und Co
wird weder Umwelt noch Vagina froh.
Tagelanges PMS wird abgelöst von TSS,
und das, wo frau empfindlich ist.
Endlich vorbei die Zeit –
ein Ende hat das Leid!
Kein Juckreiz und auch kein Gestank,
und immer hat man sie im Schrank.
Wer kennt das nicht?!
Kein Tampon da,
es ist Sonntag – war ja klar…
Oft gab es keine andere Wahl,
auf zur Tanke – welch ‘ne Qual!
Heut muss frau nicht mehr aus dem Haus,
denn Kulmine geht nie aus.
Auch klebt sie nicht am Schamhaar fest,
besteht dennoch den Rutsche-Test.
Kein Plastikrascheln bei jedem Schritt,
ob längs gefaltet oder quer,
sie ist der Hit.
Tuch auf Tuch plus Wohlgeruch,
doch damit ist es nicht genug,
denn es entfällt beim Liebesspiel
dieses ungute Gefühl:
ich riech‘ bestimmt und hab ‚ne Binde um,
hoffentlich nimmt er‘s nicht krumm!
Nicht mit Kulmine die weich und leise,
im Sitzen, Liegen und im Stehen,
stets nasenfreundlich und angenehm,
frau begleitet auf jeder Reise.
Zum Schluss noch ein Plus,
das frau erwähnen muss:
während der Stillzeit ist sie gefragt
als Spucktuch oder Windel jeden Tag –
sie ist ja auch waschbar bis 90 Grad.
Kulmine – der Gipfel der Menstruation!
Ich schwör es dir, ich kenn sie schon!

Anja Waldman