Interview mit Petra Sood

Petra Sood ist leidenschaftlich Mensch und hat das Unternehmen Kulmine aufgebaut. Zudem bietet sie seit über 30 Jahren Workshops an und unterstützt in individuellen Sessions Menschen dabei, ihre Selbstheilungskräfte zu aktivieren – mit Natürlichkeit, selbstverantwortlichem Verhalten, Weiblichkeit und Humor. Ihre Qualität liegt darin, mit offenem Herzen im Leben zu stehen.


Was waren deine Gedanken oder Gefühle, als du zum ersten Mal von alternativen Mensprodukten gelesen und gehört hast?

Als ich zum ersten Mal, zusammen mit Rosi Weber vom Biogarten, Stoffbinden aus den USA gesehen habe, gab es in Deutschland noch keine alternativen Mensprodukte zu kaufen – außer Levantiner Schwämmchen beim Ffgz. Ich war wie elektrisiert: Das war die Möglichkeit, den weiblichen Körper wertzuschätzen und Abfall zu vermeiden.

Was hat dich im Anschluss daran dazu bewegt, Stoffbinden zu produzieren und zu verkaufen?

Rosi war genau so begeistert wie ich. Mit Ihrem Großhandel für Naturwaren bot sich die Grundlage zur Vermarktung. Ich war als Seminarleiterin im Bereich der Frauengesundheit tätig, speziell zum Thema Kraft des Beckenbodens und der weiblichen Organe. Dies ließ mich die Wichtigkeit der Stoffbinden erkennen und gab mir die Leidenschaft, so ein „schwieriges“ Produkt mit langem Atem bekannt machen zu können.

Was war in den ersten Jahren bei Kulmine deine größte Herausforderung?

Der betriebswirtschaftliche Anteil, als ich die Produktion und Vermarktung von Rosi übernahm. Mit ihm hatte ich keine Erfahrung und auch nicht viel Interesse daran. Entsprechend groß waren meine Fehler. Im Unternehmerhaushalt groß geworden, hatte ich mir schon immer Gedanken gemacht über das Potential für Menschlichkeit in Unternehmen und wie ich es gerne machen würde. Manches war idealistisch, vieles konnte ich umsetzen und einiges ist bei Kulmine respekt- und liebevoller, als ich es mir damals vorstellen konnte.

Welche Reaktionen hast du anfangs auf das Thema bekommen, und wie hat sich das gewandelt?

Privat lebte ich schon damals umgeben von Menschen, die Natürlichkeit und Nachhaltigkeit wertschätzten und sich von meiner Begeisterung anstecken ließen. Geschäftlich und gesamtgesellschaftlich hat sich nur geändert, dass immer mehr Menschen schon mal von alternativen Mensprodukten gehört haben. Die anderen reagieren nach wie vor erst mit vielen Fragezeichen.

Fallen dir Unterschiede oder Gemeinsamkeiten bei deinen Kundinnen auf, von vor 20 Jahren und heute?

Gleich geblieben ist, dass meine Kundinnen besonders offen für Verbesserungen, neugierig, gebildet, intelligent, forschend und respektvoll sind. Hinzu gekommen sind viele Frauen und Männer, die allergisch oder mit Unverträglichkeiten auf nicht-natürliche Materialien reagieren. Die Verbreitung des Interesses an Nachhaltigkeit und Vermeidung von Plastik hat eine weitere Kundengruppe mitgebracht.

Was war dein größter Erfolg?

Es gibt eine Reihe von Ereignissen, die ich als Erfolg ansehe:

die Eröffnung des ersten, von einem Freund geschenkten, Onlineshops
den Kontakt mit vielen unterstützenden Frauen und Männern, die ehrenamtlich bei Kulmine tätig sind
das Finden hervorragender Bio-Baumwolle nach langer Suche

Außerdem sehe ich es als großen Erfolg meiner Arbeit an, Mitarbeiterinnen zu haben, die bei Kulmine glücklich sind.

Was hast du als Rückschlag empfunden?

Nach kostspieliger und aufwendiger Markteinführung gab es eine Abmahnung von der Wäschefirma Triumph. Unsere Produkte hießen DIE VIVAS, Triumph hatte ein Korsett namens VIVA. Sie klagten auf Unterlassung des Namens wegen Verwechslungsgefahr. Wir konnten uns keine langen Rechtstreitigkeiten leisten und ließen Namen und alle Druckerzeugnisse einstampfen. Danach war Kulmine finanziell angeschlagen und ich eine Weile lang geknickt.

Was motiviert dich allgemein, mit Kulmine weiter zu machen?

Ich bin so überzeugt von den positiven Auswirkungen der Stoffeinlagen, dass es sich in meinen Augen – egal in welcher Lage – immer gelohnt hat, weiter zu machen.

Was bedeutet Kulmine für dich heute?

Kulmine gibt mir die Möglichkeit, selbstbestimmt zu arbeiten. Ich kann Produkte herstellen und verkaufen, an die ich glaube. Es macht mich dankbar, das Leben der KundInnen bereichern und den Planeten ein bisschen mehr schützen zu können.

Was bereitet dir am meisten Freude bei der Arbeit für Kulmine?

Heute bestätigen die vielen Rückmeldungen unserer Kundinnen, von Hebammen und Menschen in Heilberufen die wundervollen Auswirkungen der Kulmines auf das Lebensgefühl und die Gesundheit von Frauen und manchmal auch Männern. Außerdem hat uns das Internet ermöglicht, bekannt zu werden, und wir haben darüber viele Unterstützerinnen und Unterstützer gefunden, mit denen ich viel Freude habe.

Was ist deiner Meinung nach das Wichtigste, was Menschen und insbesondere Frauen durch Kulmine lernen können?

Frauen können wahrnehmen und bestätigen, dass die weiblichen Zyklen einem Wunder gleichen und Wert zu schätzen sind. Statt Tabu und Scham gibt es Lebendigkeit und weibliche Kraft zu entdecken.

Der Traum von einer friedlicheren Welt - wie trägt Kulmine deiner Meinung nach dazu bei?

Kulmine bestätigt Natürlichkeit, liebevollen Umgang mit dem Körper, sich selbst und anderen Menschen. Kulmine kann Vorbild für die Verbindung von Menschlichkeit und Ökologie sein.

Was wünschst du dir für die Zukunft von Kulmine?

Organisches Wachstum auf allen Ebenen.

Eine Spaßfrage zum Schluss: Kulmine erhält 20.000 Euro und diese sollen nur für Kulmine ausgegeben werden. Wofür entscheidest du dich?

Ich würde es in die Forschung zu Inkontinenzeinlagen aus 100% natürlichen Materialien investieren.